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Das Allgäu-Regionalwetter

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Alpen Flair 2017 - Das etwas andere Festival Tagebuch
Alpen Flair 2017 - Das etwas andere Festival Tagebuch
Stellt Euch mal vor es ist Alpen Flair und keiner geht hin!? Ja, ich weiß was Ihr nun denkt - jetzt spinnt er komplett. Natürlich wird das niemals der Fall sein und so hat man in diesem Jahr mit einem Besucherrekord von 40.000 Leuten beim größten Volksfest Südtirols gerechnet. Unter diese vielen Besucher habe ich mich zusammen mit Nici - unserer treuen Fotografin - gemischt, um Euch unsere Eindrücke, Erlebnisse und Highlights des Festivals mit nach Hause zu bringen. Vorab sei gesagt, dass dieser Bericht am Ende doch etwas ausführlicher geworden ist, als erwartet. Ich weiß, dass sicher einige von Euch das meiste überspringen werden und den Kapitelüberschriften folgend sich auf das wesentliche stürzen. Für alle, die genug Ausdauer haben meine Zeilen komplett aufzunehmen hoffe ich, dass Ihr euren Spaß dabei haben werdet. Aber fangen wir doch am besten einfach mal am Anfang an.

Dienstag vor dem Festival.

Das Auto ist schon mit allen wichtigen Utensilien, die man zum "Überleben" auf den provisorisch eingerichteten "Campingplätzen" rund um das ehem. Nato-Gelände im schönen südtiroler Natz benötigt. Mit allem wichtigen? Naja, fast, denn einige Dinge besorgen wir uns noch unterwegs. Schnell noch einmal die Liste überprüft, die ich schon seit Jahren vor jedem Urlaub immer wieder zu Hilfe nehme um nichts zu vergessen, und dann nochmal kurz zur Tanke um die Vignetten für Österreich zu kaufen. Kurz darauf stehen auch schon Tom und Nici bei mir in der Tür. Nun können wir los um den Proviant für die Fahrt und letzte frische Vorräte zu holen (nein, das sind nicht die wichtigen Dinge, die wir unterwegs noch besorgen müssen). Wir verabschieden uns von Tom, der Zuhause mit den anderen Kollegen die Stellung hält. Am Abend geht mir immer und immer wieder durch den Kopf, was ich wohl alles vergessen habe. Irgendwann denke ich mir dann aber "wird schon passen" und es wird Zeit schlafen zu gehen, denn morgen geht’s los in Richtung Alto Adige.

Mittwoch - die Anreise

Ausgeschlafen, aufgestanden und schnell vorm Spiegel einen Menschen aus mir gebastelt finden wir uns schon kurze Zeit später im Auto wieder, das ich mit vollem Schub in Richtung Autobahn steuere. Da es ein Mittwoch ist, haben wir es dort zwar mit einigen LKW zu tun, aber dafür ist nur wenig Urlaubsverkehr zu sehen. Wir passieren den Grenztunnel in Füssen ohne lästige Blockabfertigung und begrüßen unsere Nachbarn im schönen Österreich. Über den Fernpass (im Übrigen eine meiner Lieblingsstraßen) geht es in Richtung Inntal-Autobahn. Während der Fahrt laufen im Radio natürlich schon die verschiedensten Titel der Bands, die auf dem Festival zu hören und sehen sind. Man muss sich ja schließlich ein wenig Einsingen. Kurz vor Innsbruck stellen wir fest, dass wir vom letzten Jahr noch genau wissen, welche Abfahrt wir raus müssen um direkt zu diesem großen Einkaufszentrum zu kommen, bei dem wir die restlichen Vorräte einkaufen wollen. Also gut, Ausfahrt raus und siehe da, das war - die falsche. So kommen wir aber immerhin noch zu einer kleinen Sightseeing Tour durch die schöne Stadt in Österreich bevor wir das Einkaufszentrum erreichen.

Wir parken das Auto, steigen aus und gehen hinein. Wo waren hier nochmal die Toiletten? Auch diese Frage führt wieder zu einem kleinen Rundgang - diesmal durch das Einkaufszentrum. Deutlich erleichtert fahren wir mit der Rolltreppe nach unten, bewaffnen uns mit einem günstigen Einkaufswagen für 50 Cent und Shoppen los. In erster Linie packen wir Wasser ein. Ja, ihr habt richtig gelesen, Wasser! Aus der Erfahrung heraus kann es gut sein, dass es auf dem Campingplatz kein fließendes Wasser gibt, und mit irgendwas wollen wir ja morgens den dringend benötigten Kaffee aufbrühen. Außerdem verspricht der Wetterbericht heiße Tage, an denen man vielleicht nicht nur Bier zu sich nehmen sollte. Bier? Gutes Stichwort, wir wechseln direkt in die Nachbarabteilung, wo wir das mindestens genauso Lebenswichtige Bier für das Festival einpacken. Zwischenzeitlich haben wir unsere Einkaufswagenflotte auf zwei erhöht um den Massen an Flüssigkeiten Herr zu werden. Kurz das Regal mit abgepacktem Vollkornbrot und die Wursttheke besucht stürmen wir weiter zur Kasse, an der uns eine freundlich grinsende Kassiererin begrüßt. Die Blicke der Leute im Einkaufszentrum sind wir schon gewohnt. Warum die aber so komisch gucken wissen wir nicht, wir kaufen ja auch schließlich nur für ein verlängertes Wochenende von Mittwoch bis Samstag ein - da ist doch nix dabei!? Das Auto steht inzwischen seit ca. 30 Minuten auf dem Parkplatz in der Sonne. Als wir die Vorräte einladen schicken wir kleine Stoßgebete zum Himmel, dass uns das Wasser und das Bier nicht in der Hitze verdampfen. Bevor wir weiterfahren holen wir uns noch schnell einen kalten Kaffee aus dem Kühlregal eines anderen Ladens und schauen an der Tankstelle vorbei um noch Sprit für unser Stromaggregat zu holen. Jetzt sind wir komplett und düsen weiter.

Zurück auf der Autobahn erreichen wir nach kurzer Zeit die Europabrücke. Ein wirklich monströses Bauwerk. Und wir stellen auch dieses Jahr wieder einmal fest, dass sich keiner von uns an einem dünnen Gummiseil befestigt von der kleinen Plattform direkt unter uns stürzen würde. Wir sind doch nicht verrückt. Die Straßenschilder kündigen inzwischen den Brenner an. Wir sind kurz vor Italien und die Dolomiten sind zum greifen nahe. Hätte ich Zuhause nicht die Alpen direkt vor der Türe, würde es mir hier sicher auch gefallen. Außerdem kann ich inzwischen schon die ersten Bands des Alpen Flair hören - achso, nein, das ist ja immer noch das Autoradio. Aber die Vorfreude steigt von Kilometer zu Kilometer. Zuerst passieren wir die Grenze zu Italien und wir ziehen uns ein Maut-Ticket für die Brenner-Autobahn. Dann fliegt auch schon das erste Schild mit der Aufschrift Bressanone - Brixen an uns vorbei. Da müssen wir raus, dann haben wir es fast geschafft. Schnell die paar gefahrenen Kilometer an der Mautstelle bezahlt und weiter im Tiefflug Richtung Natz. Als wir das kleine verträumte Dorf endlich erreichen merken wir recht schnell, dass wir nicht die ersten sind.

Wir wollten versuchen denselben Campingplatz wie vor zwei Jahren in Anspruch zu nehmen und ignorieren einfach mal die ersten zwei oder drei freundlichen Ordner, die an der Straße stehen. Dritte Kreuzung links stehen wir da. Leider ist auf dem Feld in diesem Jahr nur ein Parkplatz ohne Camping installiert. Also wieder zurück und nachgefragt. In freundlichen Südtiroler Dialekt erklärt uns der Ordner wo wir hin sollen. Rechts oben. Da gibt’s Camping mit Auto bzw. Wohnmobil - perfekt! Wir fahren in das frisch gemähte Feld und suchen uns einen Platz an der rechten Seite. Nach kurzer Rücksprache mit unseren - bis dahin noch unbekannten Nachbarn - wissen wir auch wie viel Abstand wir einhalten sollen. Handbremse anziehen, Schlüssel umdrehen und gut. Das Auto wird die nächsten drei Tage keinen Zentimeter mehr bewegt.

Mittwoch - Camping Aufbau

Reihenweise treffen nach uns noch weitere Besucher des Festivals auf dem Campingplatz - welcher übrigens den tollen Namen Z16 trägt - ein. Auch bei unseren anderen Nachbarn steht als erstes die nötige Abstandsfrage im Vordergrund. Diese Dinge müssen ja auch erst einmal geklärt sein, bevor man sich später näher kennenlernt. Um uns herum herrscht geschäftiges Treiben. Alle sind damit beschäftigt ihre Pavillons, Zelte und sonstigen Festival-Utensilien aus den Fahrzeugen zu holen und aufzustellen. Ihr glaubt ja nicht, was manche Leute so alles als notwendig befinden, wenn man so eine Veranstaltung besucht. Wir tun es den anderen gleich und beginnen ebenfalls erste einmal den Pavillon aufzustellen, unter dem wir in den kommenden Tagen Schutz vor der brennenden Sonne finden wollen. Danach kommen die Zelte dran. Schnell noch den neuen Klapp-Campingtisch aus dem Kofferraum geholt und hingestellt. Zwischendrin haben irgendwann auch noch unsere Campingstühle - zusammen mit dem ersten Festival-Bier der Saison - das Licht der Welt wieder erblickt. Ehrlich gesagt tut die Flüssigkeitsaufnahme schon gut bei dem ganzen Material, das hier so plötzlich neben dem Auto steht. Auch das Stromaggregat hat seinen Platz gefunden und die Leitung in den Pavillon wurde - mehr oder weniger - professionell verlegt. Letzte Handgriffe legen wir bei der Inneneinrichtung der Zelte an und dann sind wir auch schon fertig. Könnte glatt Rekordzeit gewesen sein.

Nach einer kurzen Verschnaufpause beschließen wir runter zum Festivalgelände zu laufen. Hat die Ausgabestelle für die Eintritts-Bänder heute schon geöffnet? Natürlich haben wir uns das im Vorfeld nicht genau durchgelesen. Wir laufen also auf gut Glück los und kommen direkt bis zum nächsten Nachbarszelt, das sich noch im Rohbau ein wenig im seichten Wind hin und her wiegt. Dort werden wir von zwei jungen Männern angesprochen, die sich als Ingo und David vorstellen. Sie bitten uns ihnen schnell beim Aufbau ihres Zeltes zur Hand zu gehen. Natürlich helfen wir wo wir können und legen direkt los. Leider gestaltet sich der Aufbau des nicht gerade kleinen Wohnzeltes schwieriger als erwartet. Trotzdem gelingt es uns mit vereinten Kräften nach ein paar Minuten das wichtigste fertig zu stellen. Ingo und David bedanken sich und laden uns später auf ein Bier ein - welches in den kommenden Tagen nicht das letzte gemeinsam getrunkene bleiben sollte.

Wir laufen den Weg zurück, den wir mit dem Auto zum Campingplatz gefahren sind um unten auf der Straße dann festzustellen, dass wir Querfeldein um einiges schneller gewesen wären. Das merken wir uns schon mal für die Zukunft - wir sind ja lernfähig. Nach ca. 500 Metern kommen wir zum Wendeplatz, an dem der Bus täglich zwischen Brixen und dem Festivalgelände verkehrt. Dieser liegt genau am Anfang zum Weg, der auf das Gelände führt. Nach noch einmal ca. 500 Metern stehen wir am Eingang. Schon von hier aus ist zu sehen, dass die Zeltplätze rund um das Gelände schon gut gefüllt sind und die Stimmung ist ausgelassen heiter. Allerdings ist damit auch schon das Ende der Fahnenstange erreicht, denn sämtliche Einrichtungen wie der Info-Point, die Merchandise-Stände und auch die Bandausgabe sind noch geschlossen. Nur ein einzelner Security bewacht mit eiserner Miene den Eingang zum Backstage und Produktionsbereich. Nach einer kurzen Ehrenrunde über den Vorplatz - bei der wir auch Ausschau nach den Duschen halten - treten wir den "Heimweg" Richtung Z16 an.

Zurück am Auto - diesmal schon über den kürzeren Feldweg - müssen wir noch "Flint" aus seinen Einzelteilen zu einem vollständigen und funktionsfähigen Grill zusammenschrauben. Flint hat seinen Namen im Übrigen nicht von uns bekommen, sondern der war schon auf seinem ansehnlichen und verkaufsfördernden Vielfarbkarton aufgedruckt. A pro pos zusammenschrauben - hat jemand an einen Schraubendreher gedacht? Verdammt! Ich wusste, dass ich etwas vergessen habe. Ich erstelle also direkt eine "Memo an mich selbst" um meine Urlaubsliste zu ergänzen. Nur eine Minute später stellt sich beim Auspacken von "Flint" aber heraus, dass seine Hersteller wohl öfter Reklamationen von vergesslichen Personen wie mir bekommen haben. Denn "Flint" hat keine normalen Schrauben sondern Flügelmuttern und lässt sich völlig ohne Werkzeug zusammensetzen. Schon jetzt ist "Flint" seine vollen 9,95 € Anschaffungspreis wert! Wiederum wenige Minuten später betrachte ich mein Werk - "Flint" steht genau so, wie er auf der Verpackung abgebildet ist vor mir. Ein kleines Gefühl von Stolz macht sich in mir breit. Aber da ist noch ein anderes Gefühl, dass sich beim Anblick des Grills in mir breit macht und den Stolz recht schnell verdrängt. Hunger! Zum Glück bin ich damit nicht alleine, denn auch Nici würde jetzt gerne etwas Essen. Also wollen wir "Flint" gleich mal ordentlich Einheizen. Das tun wir mit der eingekauften Grill... Mist! Wieso habe ich Briketts statt Kohle eingepackt?? Egal, wird schon irgendwie gehen. Nein, es muss irgendwie gehen, denn mit hungrigen Magen ist so ein Festival einfach nix. Mit reichlich Grillanzünder und der guten elektrischen Luftpumpe machen wir "Flint" dann richtig Feuer unterm Hintern - wenn es auch etwas länger gedauert hat als es mit Grillkohle der Fall gewesen wäre. Jedenfalls ist die Glut heiß genug um die Steaks aufzulegen - und das nächste Bier zu öffnen bei dem ich feststelle, dass ich schon gar nicht mehr mitzähle. Sind es bis jetzt drei oder vier? Ist das überhaupt wichtig?

Um uns herum hat sich auch viel getan. In der Zwischenzeit sind - wir haben nicht schlecht gestaunt - zwei Oldtimer Feuerwehrfahrzeuge auf Z16 angekommen. Liebevoll Restauriert und am Leben gehalten dürfen die beiden nun Ihren Insassen als Fahrzeug und Unterkunft für verschiedene Festivals dienen. Dass bei den Fahrzeugen auch das Martinshorn noch funktioniert wurde uns sogar in der kommenden Nacht demonstriert - aber auch das gehört natürlich zu einem Festival wie dem Alpen Flair dazu. Wir haben dann noch kurz Besuch von David, unserem Camping-Nachbarn bekommen, der recht schnell festgestellt hat, dass wir nur eine kleine Kühlbox zum Kaltstellen von Fleisch, Würsten und Getränken dabei haben. "Wir haben einen Kühlschrank im Auto mit, wenn ihr da was reinlegen wollt, kommt einfach rüber." So wäscht hier eine Hand die andere. Die Alpen Flair Familie versteht sich halt einfach obwohl man sich vorher noch nie gesehen hat.

Ein Blick auf die Uhr verrät uns jetzt, dass wir den restlichen Abend ruhig angehen lassen. Die Warm-up Party in Natz lassen wir aus und gehen lieber direkt zum gemütlichen Teil über. Noch kurz getestet wie die Roaming-Verbindung auf den Handys läuft und - wie könnte es anders sein - ein (noch) kühles Bierchen dazu. Dann neigt sich der Tag auch schon dem Ende entgegen und wir verziehen uns in die Zelte, welche auch zu späteren Stunden noch locker als kostenlose Sauna durchgehen. Das Kissen in die perfekte Position gebracht und ab geht es ins Land der Träume. Morgen wartet Tag 1 des Alpen Flair auf uns.

Donnerstag - Alpen Flair Tag 1

In der Nacht wurde es im Zelt langsam angenehm kühl, was einen geruhsamen Schlaf ermöglichte. Allerdings hat sich das direkt mit den ersten Sonnenstrahlen auf der Camping-Behausung wieder schlagartig ins Gegenteil verwandelt. Ich schäle mich also langsam aus meiner neu erwachten Sauna nach draußen und sehe mich erst einmal um. Der Campingplatz scheint in rasender Geschwindigkeit zu wachsen. Zwischen dem großen Feuerwehr-Fahrzeug, das den Namen "Fritzchen" trägt und unserem Platz steht nun plötzlich ein großer Pavillon mit 6 Meter Kantenlänge. Darum herum verteilen sich mehrere Zelte, welche von unseren neuen Nachbarn aus der Gegen um Altötting bewohnt werden. Man lernt hier wirklich im Stunden und Minutentakt neuen Mitbewohner kennen. Auch bei unseren neuen Nachbarn ist die Feierlaune zum Großteil schon sehr deutlich zu spüren. Meine ersten Schritte an diesem neuen Tag führen mich erst einmal zum Auto um den treuen Gaskocher auszugraben, der uns in wenigen Minuten das Wasser für den morgendlichen Kaffee erhitzen wird. Zugegeben, wenn ich mich inzwischen so auf Z16 umsehe sind die meisten wirklich gut ausgerüstet. Aber dennoch haben nicht alle solche Luxus-Gegenstände mit dabei. Und auch ich bin nicht der einzige, der etwas Zuhause vergessen hat. Gerade als das Wasser im Topf auf der Gasflamme steht bekommen wir Besuch von "Fritzchens" Insassen. Die beiden haben zwei Dosen einer klassischen Festival-Spezialität - Ravioli - in der Hand und fragen mich nach einem Dosenöffner. Selbstbewusst und in der sicheren Überzeugung, dass ich den eingepackt habe, gehe ich zum Auto und suche das gute Stück heraus. Allerdings ist die Freude nur von kurzer Dauer! Wollten wir nicht auch noch ein paar Dosen Ravioli einkaufen? Wenigstens darf der Dosenöffner unseren Nachbarn jetzt schnell treue Dienste leisten.

Wir werfen uns ein kleines Frühstück ein und machen uns dann direkt auf den Weg zu den Duschen unten auf dem Vorplatz vom Festival-Gelände. Haben denn der Info-Point und die Bandausgabe inzwischen geöffnet? Stand da was dran? Haben wir überhaupt geschaut? Wir packen unsere Tickets einfach wieder mit ein und laufen los. Unterwegs macht sich schon wieder mal Vorfreude breit - dieses Mal auf die gut temperierten Open-Air Duschen. Bei dem sonnigen Wetter rechnen wir mit ca. 6-8 °C Wassertemperatur. Das macht uns schon jetzt hellwach und soll sich einige Minuten später bewahrheiten. Körperpflege ist auf einem Festival halt nun mal schwierig aber auch nötig! Frisch geduscht und tatsächlich hellwach bleiben wir kurz an der "kleinen" Flair Stage auf dem Vorplatz stehen und sehen uns kurz an, wie die fleißigen Aufbauhelfer und Roadies so alles an amtlichen Material ran karren. Hier spielen später noch die Bands Artefuckt und TuXedo - jeweils um 13 und 14 Uhr.

Da wir unsere Berichte für Euch aber auf das wesentliche konzentrieren wollen - und da es fast unmöglich ist, neben dem allgemeinen Camping-Alltag, der Nahrungs- und Bier Aufnahme, der Körperpflege und dem Einkauf von weiteren Lebensmitteln und Festival T-Shirts alle 27 Bands und Künstler in den 72 Stunden Festival-Party zu sehen - lassen wir die Flair Stage fast die ganzen Tage ein wenig links liegen. Natürlich spielen auch hier gute Bands, aber wir sind halt nur zu zweit. "Memo an mich selbst: Nächstes Jahr das "Personal" für das Alpen Flair aufstocken um wirklich alles abzudecken!"

Der bereits erwähnte Camping-Alltag ist inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Zwischen dem Laden der Handys am Stromaggregat, dem anheizen von "Flint" und einigen anderen Sachen bleibt aber immer wieder Zeit für das nächste (inzwischen nicht mehr ganz so kühle) Bier. Rings herum denken unsere Nachbarn wohl alle genauso. Von allen Seiten ist die Musik von Frei.Wild, Kärbolz, Unantastbar und vielen anderen Bands - aber nicht nur aus dem Genre Rock - zu vernehmen. Die Musik ist genauso Bunt wie die Besucher des Alpen Flair. Nicht umsonst funktioniert der Mix aus Rock, Schlager und Volksmusik hier so gut - wie wahrscheinlich nirgends anders auf der Welt! Festival Alltag auf Z16. Wir sehen Trichter die mit einem Schlauch verlängert wurden, dessen Ende wiederum zum Mund eines Festival-Besuchers führt. Ganz klassisch wird der Trichter mit Bier gefüllt und schnell weit nach oben gehoben. Man soll ja bei dem heißen Wetter viel trinken. Und umso schneller das geht, umso mehr geht dann auch rein. Alternativ wird zur - mehr oder weniger schnellen - Befeuchtung der Kehle mal eine Runde Flunkyball zwischen den Zelten ausgetragen. Manche dieser spannenden Matches ziehen sich über die kompletten Festivaltage und werden am Schluss mit einem nicht mehr ganz so ernst genommenen Ergebnis beendet.

Für uns ist es nun an der Zeit dass wir uns wieder zum Festival-Gelände aufmachen. Marc Pircher stand - ohne ihm nahetreten zu wollen - nun auch nicht unbedingt ganz oben auf unserer Liste. Deswegen wird der erste Act des Tages den wir besuchen Hannah sein. Die österreichische Schlagersängerin (laut Wikipedia) siedelt man bei vielen Titeln am besten eher im Genre Rock an - oder gibt es vielleicht so etwas wie Rock-Schlager? Wir kommen pünktlich vor die Alpen Stage und obwohl das Gelände noch nicht mal halb gefüllt ist (was zu dieser Zeit aber völlig normal ist) merkt man direkt, dass Hannah die Leute vor der Bühne im Griff hat und mit Ihren Songs mitreißt. Der nächste Song, den Sie Ihren Fans und den anderen Besuchern entgegen schmettern, steht auf meiner persönlichen Hannah-Hitliste ganz weit oben. Hoamat heißt das Ding - und mal ehrlich, verbindet nicht jeder von uns ein tiefes Ehrgefühl mit seiner Heimat? Kamera raus und drauf gehalten - Live auf Facebook zu sehen. Denn Ihr wollt ja auch Zuhause das Feeling genießen in dem wir gerade baden.



Auch der Rest Ihrer Show ergreift die Menge. Die Dirndln und Burschen werden aufgefordert mitzumachen - wird erledigt. Erst recht als sich Hannah einen jungen Mann auf die Bühne holt und sich sein Handy ausleihen möchte, ist die Stimmung perfekt. Der gute weiß aktuell wohl gar nicht so richtig was um ihn herum passiert. Die Folgen seines wohl vorangegangenen Getränkeunfalls sind Ihm ein wenig anzusehen. Trotzdem hat er seinen Spaß bei Hannah und wird über die große LED Wand auf das ganze Gelände übertragen. Nach einer Stunde (die außer Frei.Wild am Samstag jeder Band zur Verfügung steht) ist der Auftritt vorbei. Switch-Over auf der Bühne und Zeit für uns nachzuschenken.

Wir bleiben vor der Bühne in Position und beobachten das wilde Treiben dort oben. Schon jetzt lässt sich sehr gut erkenne, dass die Bühnencrew zwar alle Hände voll bei den Umbauten zwischen den Acts zu tun hat, aber wie schon in den Jahren zuvor einen tollen Job macht. In nicht mal ganz 30 Minuten verwandelt sich die Bühne für den nächsten Auftritt. Inklusive Soundcheck. Respekt! Der Soundcheck ist natürlich immer das Highlight in der Pause. Da grölt man doch gern mal mit, was auf der Bühne so ins Mikro gebrüllt wird. Cheeeck, cheeeeck, Ahhhhh, Vooooocalcheeeck. Der Menge gefällt’s jedenfalls und auch die Jungs und Mädels am FoH haben sicher Ihren Spaß. Nebenbei wird von uns auch die verbaute Technik noch ein wenig unter die Lupe genommen. Hatte man zwei Jahre zuvor bei Frei.Wild recht weit hinten auf dem Hügel noch das Gefühl, dass der Sound etwas dünn ankommt, so passiert das heuer sicher nicht mehr. Ausgestattet mit großen Line-Arrays, Flugbässen, Ground-Support Bass-Unterstützung, Near- und Infills ist man gut gerüstet für die erwarteten 40.000 Besucher. und auch wenn es aktuell noch recht hell ist, so kann man schon deutlich erkennen, dass die Lichttechnik ebenfalls einiges zu bieten hat. Chapeau Alpen Flair - so geht Festival! Aber jetzt reicht es auch wieder mit dem ganzen Technik-Nerd-Gequatsche, denn die nächste Band steht in den Startlöchern - VoXXclub.

Standesgemäß erschallen aus den Lautsprechern die Taktschläge, die uns sehr an "We will rock you" von Queen erinnern. Nur mit dem Unterschied, dass der Text mit den Worten "Wenn der Maibaum wieder am Dorfplatz steht - und sich alles um die Madln dreht" beginnt. Wie auf Kommando stimmt die Menge vor der Bühne mit ein und ein grandioser Chor schmettert den Titel hinaus in die Dolomiten. Es ist gerade kurz vor 19 Uhr und die Stimmung so aufgeheizt wie der Sand unter unseren Füßen. Die VoXXclub'ber nehmen die Massen mit und ziehen eine super Show ab. Sie freuen sich ganz besonders darüber, zum ersten Mal beim Alpen Flair dabei zu sein, wie Ihr im Video hören und sehen könnt.



Die 5 Jungs (Florian Claus, Stefan Raaflaub, Korbinian Arendt, Christian Schild und Michael Hartinger) sind begeistert vom Alpen Flair Publikum. Und auch wir stehen ca. auf halber Höhe des Areals und bemerken wieder einmal, wie gut die unterschiedlichen Musikrichtungen auf dem Festival miteinander harmonieren. Der Anblick einer Horde Menschen (zum Großteil mit schwarzen T-Shirts bekleidet, bedruckt mit Schriftzügen wie "Wir sind die Deutschrock-Armee") die gerade den Hit "Rock mi" der Bühne entgegen singt findet man nicht alle Tage. Aber nicht nur die allgemein bekannten und Textsichern Titel der VoXXclub'ber kommen bei den Gästen vor der Bühne gut an.



Wieder einmal mehr stellen wir fest, wie schnell eine Stunde mit guter Musik doch wieder vorbei sein kann. Danke, Servus und macht’s gut - VoXXclub verabschiedet sich. Drei Bands stehen am heutigen ersten Tag des Alpen Flair 2017 noch auf dem Spielplan. Unsere Favoriten sind definitiv Kärbholz und Unantastbar. Musik ist bekanntlich Geschmacksache. Deswegen wäre es uns wohl lieber gewesen, wenn die beiden Bands den Abschluss des Tages gebildet hätten. Der Slot dazwischen wird aber noch von Hämatom gefüllt - die anhand des T-Shirt-Identifikationsfaktors eindeutig auch eine große Anzahl Fans angezogen haben.

20:20 Uhr - Tea Wartmann, die Moderatorin des Festivals betritt wieder die Bühne und kündigt als nächste Band Kärbholz an. Ganz offensichtlich sind wir nicht die einzigen Fans, die diesem Auftritt entgegenfiebern. Die Kärbholz-Anhängerschaft ist in Natz sehr gut vertreten. Die Rock-Gruppe aus Ruppichteroth um Frontman und Sänger Torben Höffgen haben gerade das "Heimspiel" im Rahmen der Ruppichterother Sportwoche hinter sich und bringen beste Spiellaune und ein spitzen Programm mit nach Südtirol. Vom alten Gassenhauer bis zu den Titeln der aktuellen CD ist alles dabei - nicht zu vergessen die volle "Überdosis Leben"



Man kann nicht nur sehen und hören, dass die Band richtig Spaß daran hat vor dieser tollen Kulisse ihren Vollgas-Rock'n'Roll zum Besten zu geben, nein Mann kann es deutlich spüren. Sänger Torben bringt es dann noch mit den Worten "Wie haben so richtig Bock drauf hier zu rocken" auf den Punkt. Damit ihr zuhause das Ganze noch ein wenig nachempfinden könnt, haben wir Euch noch ein Doppel-Video mit zwei Titeln mitgebracht.



Das Gelände ist inzwischen bis nach Hinten gut gefüllt. Aber ob Ihr es glaubt oder nicht, dass soll noch nicht alles gewesen sein für dieses Jahr. Kärbholz verabschieden sich mit einem riesigen Dankeschön an die Alpen Flair Familie und auf der Alpen Stage beginnt wieder das hektische Gewusel beim Switchover. Wie schon erwähnt steht als nächstes Hämatom auf dem Timetable. Und wie ich ebenfalls schon geschrieben habe, ist Musik ja auch Geschmacksache. Deswegen mögt Ihr es uns bitte verzeihen, dass wir uns nun aufmachen um unsere leeren Becher wieder aufzufüllen und die kulinarischen Qualitäten der Küche auf dem Gelände unter die Lupe zu nehmen. Zugegeben, das Forst-Bier ist nicht unbedingt das, was unser verwöhnter Allgäuer Gaumen sonst so an Brauereikunst zu schmecken bekommt. Aber es ist immerhin gut gekühlt und spätestens nach dem dritten Becher ist das eh völlig egal - außerdem haben wir uns in Innsbruck ja auch nicht unbedingt mit heimischen Biersorten eingedeckt. Besondere Anerkennung müssen wir auch dieses Jahr wieder an das Catering aussprechen. Jeder, der schon einmal in der Gastronomie zu tun hatte, erkennt sofort welcher Aufwand dahinter steckt auf einem Festival 40.000 Gäste zu bewirten. Und dann gibt es hier ja nicht nur zwei Sorten Getränke und eine Kleinigkeit zu essen sondern die Speisekarte lässt sich wirklich sehen. Von der frisch zubereiteten Pizzaschnitte (welche absolut empfehlenswert ist) über Leberkäse, Kartoffelsalat, Burger und Pommes ist alles mit dabei. Da freut sich der Magen, wenn es auch mal etwas anderes als frisch gegrilltes zu Essen gibt.

Frisch gestärkt bahnen wir uns unseren Weg durch die Menge um wieder einen Platz mit guter Sicht auf die Bühne zu finden. Dort angekommen hören wir uns den restlichen Auftritt von Hämatom an. Der T-Shirt Identifikationsfaktor hatte nicht unrecht, denn es sind eine Menge Fans hier, die sich erneut zu einem riesigen Chor verwandeln und lauthals mitsingen. Dennoch warten wir - fast schon ein wenig ungeduldig - auf den Abschluss-Act von Tag 1.

Der Zeiger wandert langsam in Richtung 23:00 Uhr und der Umbau für Unantastbar läuft. Dabei fällt uns direkt auf, dass etwas anders ist, als die Male zuvor. Die Techniker hängen am vorderen Rand der Bühne einen schwarzen Vorhang auf, der alles dahinter erst einmal im Dunkeln liegen lässt. Die Spannung steigt - wir rechnen mit einem kolossalen Paukenschlag zu später Stunde. Damit sollen wir auch Recht behalten. Pünktlichst um 23:20 Uhr kommt die Anmoderation. Licht aus - Spot (bzw. Lightshow) an und Willkommen zum Abriss des ersten Abends - hier ist Unantastbar.



Ich denke, dass man zu diesem Video nicht mehr viel sagen muss. Seht es Euch lieber noch ein zweites und drittes Mal an und versucht (wenn Ihr nicht selber vor Ort wart) das Alpen Flair nach Hause zu holen.

Gegen 0:30 Uhr machen wir uns auf den Weg zum Campingplatz. Hinter uns hören wir, wie nun die Alpenhöle zum Leben erwacht. Dort kommen alle Feierwütigen, welche noch nicht zu Müde (oder Betrunken) sind bis 3:00 Uhr in den Genuss der Musik von DJ Ivan Fillini, der auch kein Neuling mehr in der Südtiroler Festival-Familie ist. Auch hier steht ein bunt gemischtes Programm auf dem Plan, dass deutlich hörbar von allen angenommen wird. "Zuhause" angekommen wollen wir uns auch noch einen kleinen Absacker gönnen und beschließen dies kurzerhand bei unseren Nachbarn zu tun. Wir müssen uns ja auch noch für das kühle Plätzchen im Kühlschrank bedanken, dass uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. So machen wir uns also mit je einer Flasche Whiskey und Cola in der Hand die guten 15 Meter auf und besuchen Ingo und David. Auch Ihre Gruppe ist inzwischen vollzählig nachdem Bianca und Bolle noch angekommen sind. Schnell sind die Becher auf dem Tisch verteilt und das gut gemischte Getränk eingefüllt. Wir sitzen noch ein wenig länger zusammen, unterhalten uns, erzählen Witze und haben es lustig. Dann heißt es erst einmal wieder Gute Nacht Natz, bis morgen.

Freitag Alpen Flair Tag 2

"Wenn früh am Morgen die Weksirene dröhnt..." nein, die war es nicht, welche mich in meinem Zelt erwachen ließ. Auch nicht unbedingt die Temperatur in der kleinen Behausung, obwohl die Sonne schon wieder kräftig Dampf macht. Vielmehr war es das Krähen des Hahnes auf dem benachbarten Bauernhof. Ist das nicht herrlich. Fast schon wie Zuhause. Da bekommt man doch gleich Appetit auf Frühstückseier mit Speck, einem Glas Orangensaft, frisch aufgebrühten Kaffee und Semmel vom Bäcker um die Ecke. Moment, da war doch was. Achso, wir sind noch immer auf dem provisorischen Campingplatz inmitten der Dolomiten. Aber Kaffee gibt es trotzdem und wieder ganz frisch. Abstriche machen wir beim Rest und schmieren uns ein Gute-Laune-Nuss-Nougat-Vollkornbrot. Der Campingplatz Alltag ist endgültig eingekehrt. Jetzt kann Tag 2 beginnen. Da wir etwas später dran sind als am Vortag, bleiben wir auf dem Rückweg vom Duschen kurz an der Flair Stage stehen, auf der seit 12:00 Uhr die Band Arktis zu Gange ist. Der Sound ist amtlich, der Rhythmus treibend und alles in allem kann man sich die Jungs gut anhören. Auf Ihrer Webseite liest man "ARKTIS bewegen sich im weiten Spannungsfeld moderner, harter Musik – und singen dabei auf Deutsch. Die Single "Gold" ist der Vorbote für das Debut-Album "Meta", dessen Einschlag am 24.06.2016 erwartet wird. Musik mit Emotionen, aber auch technischer Raffinesse und dort wo nötig der Durchschlagskraft eines Dampfhammers." Das können wir auf jeden Fall so bestätigen.

Da wir sowieso schon unterwegs sind, kommt uns gerade noch in den Sinn schnell den süßen Tante-Emma-Laden in Natz zu besuchen, den wir schon aus den Vorjahren kennen. Dort gibt es eigentlich alles was das Herz begehrt auf wenigen Quadratmetern. Der offenbar familiengeführte Mini-Supermarkt hat natürlich auch die passenden Angebote zum Festival. Bier und Grillfleisch sowie das ganze Zubehör. So war es zumindest früher einmal. Als wir um die Ecke biegen und der Markt in Sicht kommt staunen wir allerdings nicht schlecht. Die Angebote und das Sortiment sind im Großen und Ganzen geblieben. Allerdings hat sich der kleine Laden inzwischen doch um einiges Vergrößert. Da wurden Wände herausgebrochen und Regale verschoben so dass jetzt sogar zwei Kassenplätze vorhanden sind. Scheinbar tut das jährlich stattfindende Alpen Flair auch der Wirtschaft recht gut. Wir werden auf jeden Fall wieder sehr freundlich Bedient, als wir an der Brot und Wursttheke unseren Einkauf zusammenstellen. Prädikat: besonders Wertvoll und Empfehlenswert! Weiter so.

Zurück beim Zelt verrät uns ein Blick auf die Running-Order, was heute noch alles geboten ist. Wie schon in den vergangenen Jahren wollen wir den Festival-Teiler etwas ruhiger angehen lassen und die Kräfte für den letzten Tag sparen. Wir haben uns vorgenommen Euch etwas von Truck Stop, Subway to Sally und D-A-D mitzubringen und machen uns daher erst gegen 18:15 Uhr auf in Richtung Party. Zwischenzeitlich beschäftigen wir uns noch mit unserem Freund "Flint", unterhalten uns mit den verschiedensten Leuten, die so vorbeikommen und nehmen auch das Angebot für ein kühles Eis, dass zu einem günstigen Preis vom Local Stuff verkauft wird an. Die Organisation vom Komitee des Festivals verdient genauso Anerkennung wie der ganze Rest. Ein kleiner Hauch von Depression macht sich bei mir allerdings breit, als wir irgendwann im Laufe des frühen Nachmittags die Uno-Karten zwischen unseren Sachen wieder gefunden haben. So langsam stelle ich mir die Frage ob die Karten manipuliert sind. Es kann doch nicht sein, dass ich laufend verliere. Das Match stellt meine langjährige Freundschaft zu Nici auf eine harte Probe - selbstverständlich mit einem lachenden und zwinkernden Auge. Letztendlich bekomme ich Unterstützung von David, der in das Spiel mit einsteigt und dafür sorgt, dass die Kräfte wieder ausgeglichen sind. Läuft!

Als wir an der Bühne unten ankommen stehen die Cowboys von der Waterkant alias Truck Stop schon auf der Bühne. Man muss nicht extra erwähnen, dass auch Country als Musikrichtung auf dem Alpen Flair sehr gut ankommt. War doch in der Vergangenheit auch schon der kürzlich verstorbene Sänger Gunter Gabriel schon hier zu Gast. Verblüffend finde ich es aber, dass die Band einige Titel gespielt hat, die der ein oder andere im Publikum vielleicht durch seine Eltern kennt, aber das wahrscheinlich nie zugeben würde - so als knallharter Deutschrock-Fan. Und trotzdem ist der Chor bei "Arizona, Arizona" und "Der wilde, wilde Westen" nicht leiser als am Tag davor. Eines der wohl bekanntesten Lieder von Truck Stop kennen viele aus dem TV - die Titelmusik vom Großstadtrevier.



Leider müssen wir uns für die schlechte Tonqualität bei einigen Videos entschuldigen. Wir standen dieses Mal weiter vorne als am ersten Tag und scheinbar gibt es in Natz irgendeine großflächige Tierplage. Sonst hätten die sicher nicht direkt vor der Bühne eine Batterie an Subwoofern aufgetürmt, welche alle Lebewesen unter 5kg mit Leichtigkeit weg-inhaliert und vermutlich nie mehr ausspuckt. Spaß beiseite, der Ton war wirklich so wie er auf einem Festival sein soll. Da kommt unsere Aufnahme-Technik schon mal ins Schwitzen. Schwitzen tun wir auch, die Temperaturen liegen in der inzwischen Wüstenähnlichen Arena um die 30°C. Es wird also Zeit sich wieder mit kühlem Forst zu versorgen. Da sowieso gerade der Umbau für Subway to Sally stattfindet ist es das ideale Zeitfenster.

Die Erwartungen an Subway to Sally liegen bei uns nicht wirklich sonderlich hoch. Nicht weil die Mädels und Jungs auf der Bühne nicht wissen was sie tun, nein ganz im Gegenteil. Die Bühnenshow ist absolut vorzüglich. Gerade weil bei diesem Ensemble viele verschiedenen und zum Teil auch altertümliche Instrumente zum Einsatz kommen. Hier liegt aber unserer Meinung nach der Knackpunkt. Was man im Studio noch einfach nachbearbeiten kann, wird einem Live niemals verziehen. Wer sich ein wenig auskennt, der weiß auch, dass bei einer CD-Aufnahme alles einzeln eingespielt und hinterher zusammengesetzt und gemastert wird. Bei einem Open Air Auftritt muss alles zur gleichen Zeit über die großen Lautsprecher links und rechts neben der Bühne. Da wird’s halt eng und leider schwierig(er). Ich möchte den Auftritt hier keinesfalls schlecht reden, ihr dürft ja auch gleich selber schauen, wie die Leute die Band gefeiert haben. Aber für den echten unverfälschten Subway to Sally Genuss empfehle ich dann doch lieber eine CD zu kaufen.



Der nächste Act, von dem wir Euch an Tag zwei berichten vollen wurde Anfang der 1980er Jahre im dänischen Kopenhagen gegründet. Damals wurden sie bekannt als Disneyland After Dark mussten den Namen aber wegen einer drohenden Klage der Walt Disney Company ändern. Seither ist die Band unter dem Namen D-A-D (oder auch D.A.D, D:A:D) bekannt. Die Musikrichtung wird im Allgemeinen als melodischer Heavy Rock bis Heavy Metal beschrieben. Auch das könne wir von unserem Standpunkt sowohl von der digitalen Scheibe als auch Live auf der Alpen Stage restlos bestätigen.



Auch wenn Anthrax neben Metallica, Slayer und Megadeath zu den "Big 4" des Trash-Metal gehören, haben wir uns vor deren Auftritt auf gemacht und unseren Platz vor der Bühne verlassen. Vielleicht wäre es noch interessant gewesen den Wechsel in die Alpenhöle nach Anthrax mitzubekommen, denn dort gab sich ab 0:40 Uhr Mister Tim Toupet himself die Ehre. Andererseits war es aber auch gut so. Mann soll aufhören wenn es am schönsten ist. Und außerdem gehören ja auch noch andere Dinge auf einem Festival dazu, nicht ausschließlich die Künstler mit ihrer Musik. Wir haben - die meisten können es sich sicher schon denken - lieber noch ein wenig mit der Nachbarschaft gesessen und ein Feierabendbier in Ruhe genossen. Damit ist Tag zwei nun auch vorbei, wir schauen morgen aber wieder vorbei. Ab ins Zelt und gute Nacht, auch an die Werte Nachbarschaft.

Samstag Alpen Flair Tag 3

"Guten Morgen, liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle wach?" Die einzige Sorge, welche mich an diesem wunderschönen Freitagmorgen quält ist, dass ich genau weiß dass uns leider schon wieder der letzte Festivaltag bevorsteht. Aber was solls, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei (Wenn ich am Ende dieses Berichts angekommen bin, muss ich erst mal das Phrasenschwein füttern gehen). Auf uns warten neben der üblichen Morgenroutine immerhin noch die Schürzenjäger, Sepultura und natürlich Frei.Wild. Das Wetter ist traumhaft schön und auch Morgens schon wieder ordentlich warm. Noch können wir nicht ahnen, dass uns Petrus später noch einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen wird. Diese Vermutung keimt allerdings langsam in uns auf, als sich der Himmel gegen Mittag langsam aber stetig verdunkelt und Wolken aufziehen. Irgendwie werden dabei direkt wieder Erinnerungen ans letzte Jahr wach, wo das Alpen Flair etwas feuchter über die Bühne ging. Auch ringsherum erinnert man sich beim Anblick der Regenwolken über uns daran, wie im Vorjahr die Autos allesamt nur mithilfe der Natz'er Landwirte und deren Traktoren aus dem tiefen Schlamm der Campingplätze befreit werden konnten. "In Natz regnet‘s nie!" So steht es hier überall angeschrieben und auch auf der großen LED-Wand links neben der Bühne wird dieser Werbeslogan immer und immer wieder eingeblendet. Wir hoffen das Beste und richten zur Sicherheit trotzdem schon mal festeres Schuhwerk und regenfeste Jacken her. Inzwischen ist es 18:00 Uhr geworden und wir mussten so drei bis vier kurze Schauer über uns ergehen lassen. Alles halb so schlimm. So lange es nur ein bisschen regnet, werden wir halt nass. Das kennen wir schon und ist nicht weiter tragisch. Kurz entschlossen machen wir uns nun doch ohne festeres Schuhwerk auf zu neuen Taten.

Kurz nach 19:30 Uhr kommen wir wieder vor der Alpen Stage an. Die Schürzenjäger haben sich schon warm gespielt. Das haben die auf der Bühne mindestens genauso nötig, wie alle Besucher davor, denn wer hätte es gedacht, der Regen hat inzwischen deutlich zugenommen. Die Stimmung schwappt aber deswegen keinesfalls gleich um in pure Melancholie, denn einem echten Festivalbesucher macht das bisschen Regen doch nichts aus. Die Schürzenjäger heizen uns mächtig ein und holen einige Ihrer besten und erfolgreichsten Stücke aus dem Gepäck. Beim nächsten Video haben wir im Anschluss einen Kommentar bekommen, dass es egal ist welche Band "Sierra Marde" anstimmt und immer alle mitsingen. Das stimmt voll und ganz und trotzdem ist es doch ein bisschen was anderes, wenn der Titel von der Gruppe gesungen wird, welche ihn mit der ersten Neuaufnahme im Jahr 1987 erst so richtig bekannt gemacht hat. Feuerzeuge raus und Enten-Pelle angelegt. Gänsehaut bei den Schürzenjägern und ihrem 40.000 Kehlen starken Backgroundsängern.



Sorry, dass dises Video im falschen Format aufgenommen wurde, im Eifer des Gefechts habe ich das leider zu spät bemerkt...

Ab jetzt kam dann alles einfach nur noch anders als es von uns geplant war. Neben dem immer stärker werdenden Regen setzt obendrauf noch stürmischer Wind ein. Wir suchen während der Umbauzeit zu Sepultura Schutz vor dem Regen im großen Zelt auf dem Vorplatz. Die Idee hatten allerdings nicht nur wir. Das bringt mich kurzerhand dazu ein Statement auf unserer Facebook-Seite zu veröffentlichen in der ich die Wetterlage aus Natz Live ins Netz versende. Wie war das gleich nochmal? "In Natz regnet‘s nie!" Wir beschließen, wenn das Wetter nicht drastisch besser wird, auf Sepultura zu verzichten und dann lieber noch zwei oder drei Live Videos von Frei.Wild auf Facebook schicken wollen. Der Regen setzt auch in den kommenden 20 Minuten nicht aus. Als der Niederschlag weniger wird wollen wir eigentlich nur kurz hoch zum Z16 um uns doch noch bessere Schuhe anzuziehen. Dort angekommen mussten wir dann aber feststellen, dass der Wind zu stark für die Nerven unseres Pavillons geworden ist. Was wenige Stunden zuvor noch als perfekter Schutz vor der Sonne wie eine Eins vor unseren Zelten stand, war jetzt nicht mehr wiederzuerkennen. Ein Haufen weißes verbogenes Gestänge überzogen mit einer traurigen blauen Schicht aus Polyester. Leider hat uns der Wind mit dem Sonnen- auch unseren Regenschutz genommen, was alles nicht unbedingt leichter gemacht hat. Außerdem mussten wir jetzt als erstes den Schrott beseitigen und sicher verstauen, bevor am Ende noch unsere Zelte oder schlimmer eines der parkenden Autos etwas abbekommt. Gemeinsam packen wir an und schaffen wieder ein wenig Ordnung auf unserem Platz. Leicht gefrustet und immer noch durchnässt genießen wir nun den Ausklang des Festivals, so gut es geht. Leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit, denn die Technik hätte dem Regen leider auch nicht stand gehalten.

Frei.Wild spielen auf dem Alpen Flair das einzige Konzert in diesem Jahr. Ich denke dass ich mich in Punkto Stimmung deswegen nicht groß äußern muss. Es sei aber gesagt, dass der Chor, der natürlich und gerade bei Frei.Wild auch wieder tatkräftig mit dabei war, sich nicht wirklich nach 40.000 Leuten angehört hat. Nein! Ich hätte Wetten können, dass sich mindestens das doppelte an Menschen vor der Alpen Stage versammelt hat. Das schlechte Wetter kommt einem inzwischen auch eher so vor, als wollte da einer ein Stockwerk höher einfach für zusätzliche Lichteffekte sorgen, wenn Philipp Burger mit seinen Bandkollegen auf der Bühne steht. Ich halte meine Ausführungen zu Frei.Wild nun absichtlich kurz, denn alles weitere was ich jetzt noch schreiben würde hätte zur Folge dass die die nicht dabei waren vor Neid erblassen würden. Und das wollen wir doch nicht.

Das Ende findet das Alpen Flair 2017 in einem fundamentalen und nicht zu kurz gehaltenen Feuerwerk. Symbolisch verabschiedet sich das Festival mit einem Doppelknall. Frei.Wild und dem Leuchtfeuer am Himmel. Noch voller Ehrfurcht vor dem was wir erlebt haben macht sich der Kloß im Hals langsam bemerkbar. Ist es wirklich schon wieder vorbei?! Ja das ist es, und schon haben wir das dritte Gefühl, dass sich unter die anderen beiden mischt. Die Sehnsucht nach dem Feeling, der Ausgelassenheit, der Live-Musik, der Landschaft, den Leuten - kurz gesagt nach dem Alpen Flair und seiner Familie, die wir jetzt wieder für ein ganzes Jahr vermissen müssen. Der Trost der bleibt, ist das Sehnsucht gleichzeitig auch Vorfreude bedeuten kann! DANKE Alpen Flair, für alles was wir erleben durften - wir sehen uns im nächsten Jahr.

"The Day After" lasse ich hier auch ganz bewusst weg, denn wie wir im strömenden Regen auf die Schnelle alles ins Auto geworfen haben und uns auch nur flüchtig von allen verabschiedet haben muss ich nicht genauer ausführen. Es hat auf jeden Fall riesen Spaß gemacht und wir haben viele nette Leute getroffen und neue Freunde gefunden. Mit einigen werden wir sicher in Kontakt bleiben. Vielleicht sind wir ja 2018 wieder Nachbarn auf Z16.

Rockige Grüße aus dem warmen Italien - wohin wir uns nun zur Erholung verzogen haben - senden Euch das MusikWelle Allgäu Alpen Flair Team
Nici und Thomas